Wechseljahre: Was kann ich als Mann tun?
Du hast verstanden, dass deine Frau gerade nicht „schlecht drauf“ ist, sondern dass in ihrem Körper etwas Großes passiert. Gut. Jetzt kommt die Frage, die sich jeder anständige Mann stellt: Was kann ich tun?
Die ehrliche Antwort: weniger, als du denkst, und gleichzeitig mehr. Weniger, weil du nichts reparieren kannst. Mehr, weil die kleinen Dinge, die du tust oder lässt, jeden Tag einen Unterschied machen.
1. Hör auf, Lösungen zu liefern
Männer lösen Probleme. Das ist unsere Stärke, und genau die steht dir jetzt im Weg. Wenn sie erzählt, dass sie wieder um drei Uhr wach war, will sie keinen Tipp für die Schlafhygiene. Sie will, dass jemand versteht, wie zermürbend das ist.
Frag dich vor jeder Antwort: Will sie gerade eine Lösung oder einen Zeugen? Meistens Letzteres.
2. Nimm ihr Last ab, ohne zu fragen
„Sag Bescheid, wenn ich was tun kann“ klingt hilfsbereit. In Wahrheit gibt es ihr noch eine Aufgabe: dir zu sagen, was zu tun ist. Schau selbst hin. Was bleibt liegen? Was kostet sie Kraft? Übernimm es, ohne Ankündigung und ohne Applaus zu erwarten.
Der größte Hebel ist fast immer Schlaf. Übernimm die frühen Morgen, die Kinder, den Hund, das Frühstück. Eine Stunde Schlaf mehr verändert ihren Tag mehr als jedes Gespräch.
3. Begleite sie zum Arzt, wenn sie das will
Viele Frauen kommen vom Arzt zurück mit „Alles in Ordnung“, obwohl es ihnen miserabel geht. Das liegt auch daran, dass Hormonwerte in der Perimenopause stark schwanken und eine einzelne Blutabnahme oft wenig sagt.
So kannst du helfen:
- Biete an, ein paar Wochen lang mitzuschreiben, was dir auffällt: Schlaf, Stimmung, Erschöpfung, Zyklus. Nur wenn sie das möchte.
- Hilf ihr, die wichtigsten Fragen vorher aufzuschreiben, damit im Termin nichts untergeht.
- Komm mit, wenn sie dich dabeihaben will. Sitz daneben, hör zu, und lass sie reden.
- Wenn sie nicht ernst genommen wird: Eine zweite Meinung ist kein Drama, sondern normal.
4. Pass auf, was du sagst
Ein paar Sätze richten in dieser Phase mehr Schaden an als jeder Streit. „Bist du wieder in den Wechseljahren?“ „Reiß dich mal zusammen.“ „Früher warst du anders.“ Auch wenn du es nur denkst: Sie spürt es.
Was stattdessen hilft, ist erstaunlich einfach: „Ich glaube dir.“ „Ich bin da.“ „Was brauchst du gerade?“ Und dann wirklich zuhören, was sie antwortet.
5. Nimm es nicht persönlich, aber lass dich nicht kleinmachen
Wenn sie dich anfährt, gilt der Angriff selten dir. Du stehst nur am nächsten. Das heißt aber nicht, dass du alles schlucken musst. Du darfst sagen, dass dich etwas verletzt hat, ruhig und später, nicht mitten im Sturm. Grenzen setzen und zu ihr halten schließen sich nicht aus.
6. Kümmer dich auch um dich
Ein Mann, der monatelang nur funktioniert, kippt irgendwann selbst. Such dir jemanden zum Reden, einen Freund, einen Coach, notfalls einen Therapeuten. Beweg dich, schlaf, und achte darauf, nicht still zu verbittern. Auch bei dir läuft in diesen Jahren etwas, und es verdient Aufmerksamkeit.
7. Wisse, wann es ernst wird
Wenn sie sagt, dass sie nicht mehr kann, wenn sie sich völlig zurückzieht oder du Angst hast, dass sie sich etwas antun könnte: Warte nicht. Hol Hilfe, notfalls über den Notruf 112 oder die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 oder 116 123, kostenlos und rund um die Uhr. Auch wenn du selbst nicht mehr weiterweißt, gilt das für dich.
Das Wichtigste in einem Satz
Du musst sie nicht retten. Du musst bleiben, zuhören und ihr den Alltag leichter machen. Das ist weniger heldenhaft, als es klingt, und genau deshalb so selten.
Wie es weitergeht
Ein Artikel bringt dich durch die nächsten Abende. Für die nächsten Jahre brauchst du mehr: verstehen, was in ihr passiert, was in dir passiert und wie ihr wieder miteinander redet, ohne dass jeder Satz zur Mine wird.
Genau dafür habe ich „Hormone, Hölle, Happy End“ geschrieben. Es ist das Buch, das ich in jener Nacht vor unserer Badezimmertür gebraucht hätte: kein medizinischer Ratgeber, sondern ein Survival Guide für Männer, die bleiben wollen.
Weiterlesen
- Meine Frau ist ständig gereizt. Was ist mit ihr los?
- Perimenopause und Ehe: Wenn die Beziehung plötzlich wackelt
- Alle Artikel
Und für sie: Wenn deine Frau gerade alles trägt und nicht mehr weiß, wo sie steht, zeig ihr den kostenlosen Selbstcheck. Zwölf Fragen, zwei Minuten.
Jan Poulev ist Coach und Autor. Seit über dreißig Jahren arbeitet er mit Menschen, seit mehr als zehn Jahren als Coach für Frauen, Männer und Paare. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.