Jan Poulev
Wechseljahre & Partnerschaft

Wechseljahre und Angst: Was mit ihr los ist und was hilft

Früher hat sie Dinge weggesteckt. Jetzt liegt sie nachts wach und grübelt, gerät wegen Sachen in Panik, die ihr früher nichts ausgemacht hätten, und kann manchmal nicht einmal sagen, wovor sie Angst hat. Vielleicht fragt sie sich, ob sie den Verstand verliert. Vielleicht fragst du dich das auch. In vielen Fällen ist die Antwort eine andere: Es ist die Perimenopause.

Angst gehört zu den Symptomen, vor denen niemand Paare warnt. Von Hitzewallungen hat jeder gehört. Dass die hormonelle Umstellung dieser Jahre das Nervensystem genauso hart treffen kann, wissen die wenigsten.

Warum die Wechseljahre Angst auslösen können

Progesteron wirkt beruhigend, und es ist oft das erste Hormon, das sinkt. Östrogen schwankt auf und ab und beeinflusst die Botenstoffe im Gehirn, die die Stimmung regeln. Dazu kommen schlechter Schlaf, Nachtschweiß und ein volles Leben, und das Nervensystem hat kaum noch Reserven.

Das kann so aussehen:

Viele Frauen, die in ihrem Leben nie Angstzustände hatten, erleben sie zum ersten Mal mit Mitte vierzig. Genau das macht es so beängstigend.

Was es nicht ist

Es ist keine Schwäche, und sie stellt sich nicht an. Sie kann es auch nicht abstellen, indem sie positiv denkt. „Entspann dich doch mal“ hilft ungefähr so viel wie der Rat an jemanden mit gebrochenem Bein, einfach loszulaufen.

Gleichzeitig können Angst und Herzrasen andere Ursachen haben, von einer Schilddrüsenüberfunktion über Herzprobleme bis zur Depression. Deshalb sollte sie das ärztlich abklären lassen, und Herzrasen gehört nicht ignoriert.

Was helfen kann und was du tun kannst

Nimm es ernst. Der wichtigste Satz, den du sagen kannst: „Ich glaube dir. Das ist echt.“ Viele Frauen verstecken ihre Angst, weil sie sich dafür schämen. Wenn sie sich bei dir sicher fühlt, trägt sie schon weniger.

Versuch nicht, sie mit Argumenten zu beruhigen. Angst reagiert nicht auf Logik. „Es gibt doch gar keinen Grund“ hilft nicht. Ruhig bleiben, in der Nähe bleiben und zuhören hilft meistens mehr.

Schütze ihren Schlaf. Schlechter Schlaf nährt die Angst, und Angst zerstört den Schlaf. Übernimm die frühen Morgen, halte das Schlafzimmer kühl, und fang schwierige Gespräche nicht spät am Abend an.

Ermutige sie, zur Ärztin zu gehen. Sie muss das nicht aushalten. Es gibt Möglichkeiten, von Gesprächstherapie bis Hormontherapie, die sie mit ihrer Frauenärztin oder in einer Wechseljahressprechstunde besprechen kann. Biete an mitzugehen, und hilf ihr, vorher aufzuschreiben, was in den letzten Wochen passiert ist.

Halte das Leben überschaubar. Wenn alles zu viel ist, helfen weniger Verpflichtungen. Nimm ihr Dinge ab, ohne dass sie darum bitten muss. Mehr dazu in Wechseljahre: Was kann ich als Mann tun?

Pass auch auf dich auf. Mit jemandem zu leben, der jeden Tag Angst hat, zehrt an dir. Sprich mit einem Freund, einem Coach oder einem Berater, damit du für euch beide stabil bleibst.

Wann sie nicht warten sollte

Bei Brustschmerzen, Herzrasen, das nicht aufhört, oder wenn sie sich einer Ohnmacht nahe fühlt: sofort den Notruf wählen. Wenn du Sorge hast, dass sie sich etwas antun könnte, warte ebenfalls nicht und hol sofort ärztliche Hilfe.

Das Wichtigste in einem Satz

Angst in den Wechseljahren ist echt, häufig und behandelbar. Das Beste, was du tun kannst: ihr glauben, ruhig neben ihr bleiben und ihr helfen, gute Unterstützung zu bekommen.

Wie es weitergeht

Angst ist nur eine der Arten, wie die Wechseljahre euer gemeinsames Leben auf den Kopf stellen können. Wer das Ganze versteht, was in ihr passiert, was es mit dir macht und wie ihr zusammenbleibt, reagiert anders.

Genau dafür habe ich „Hormone, Hölle, Happy End“ geschrieben: kein medizinischer Ratgeber, sondern ein Survival-Guide für Männer, die bleiben wollen.

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Jan Poulev ist Coach und Autor. Seit über dreißig Jahren arbeitet er mit Menschen, seit mehr als zehn Jahren als Coach für Frauen, Männer und Paare. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.